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  • eliasbechtloff

Dengue und das peruanische Gesundheitssystem

Jetzt ist es schon Anfang Juli und mir bleiben noch knapp 6 Wochen in Peru bis meine Familie mich Ende August besuchen kommt und wir dann gemeinsam zu den Galapagosinseln weiterreisen – es ist doch immer wieder Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht.

Die Wochen sind vollgepackt mit Aktivitäten, weshalb die Zeit so schnell verfliegt, dass ich kaum hinterherschauen kann. CANAT spannt uns Freiwillige mehr ein denn je, um unsere Fähigkeiten in den letzten Monaten/Wochen, die uns hier noch bleiben, noch so gut wie möglich auszunutzen. Und auch außerhalb von CANAT ist viel los, mein soziales Leben ist so spannend wie noch nie.

Doch darum soll es heute nicht gehen, denn stattdessen möchte ich über das wahrscheinlich größte Ereignis der letzten Monate sprechen: meine Dengueinfektion und damit verbunden meine Erfahrungen mit dem peruanischen Gesundheitssystem.

Ja, Ihr habt richtig gelesen ich habe es Anfang Mai tatsächlich geschafft mich mit Dengue zu infizieren, was mich erstmal für fast einen ganzen Monat außer Gefecht gesetzt hat, dabei habe ich mit dem Verlauf aber echt noch Glück gehabt. Aber alles der Reihe nach.


Ende April bzw Anfang Mai hat CANAT sowohl das Team der Ludoteca, als auch das EAE (Equipo de Atención Especializada – das Psychologenteam von CANAT) in zwei gemischten Gruppen für jeweils knapp eine Woche zu einem anderen Jesuitenprojekt geschickt, das im Regenwald liegt, und das aktuell zu großen Teilen durch meine ehemalige französische Mitfreiwillige Rakel getragen wird.



In der ersten Gruppe lief alles glatt und alle sind gesund zurückgekehrt, bloß in meiner Gruppe haben wir uns fast alle mit Dengue infiziert, nur meine französische Mitfreiwillige Alice hatte lediglich einen Hautausschlag.

Für mich fing das bereits am Sonntag, an dem wir frühmorgens wieder in Piura angekommen sind, um die Mittagszeit an, dass ich mich etwas unwohl gefühlt habe. Das habe ich in dem Moment aber noch auf die Müdigkeit von der anstrengenden Reise und den vielen Eindrücken geschoben und da es mir am Montagmorgen wieder besser ging, bin ich trotzdem wie normal zur großen Besprechung in CANAT gegangen, habe dann aber vor allem gegen die Mittagszeit als ich mich etwas mehr bewegt habe, dass es mir echt nicht gut geht (mein Kopf tat mir weh und mir war schlecht) und bin dementsprechend nach Hause und am Dienstag auch zu Hause geblieben.


Am Mittwochmorgen bin ich dann mit meiner Mentorin Carolina zum nächstgelegenen Medizinposten, also einer Art Gesundheitszentrum.

Gesundheitszentren wie dieses bilden den Grundstein des öffentlichen Gesundheitssystems, die sogenannten „postas medicas“ kann man sich am besten wie eine Art große, erweiterte Hausarztpraxis vorstellen. Sie bieten alles, was man für die grundlegende Gesundheitsversorgung braucht, wie Zahnarzt/in, Frauenarzt/in oder allgemeine medizinische Beratung und je nach größe der posta gibt es auch ein paar Betten um Patienten ein paar Nächte zu beherbergen, wenn nötig.

Hier war ich bis zum Sonntag hospitalisiert bevor Carolina und Gaby mir einen Platz in einer privaten Klinik organisiert haben.

Mir ging es zwar mit jedem Tag besser, aber da meine Plaketten sehr niedrig waren hatten sie mich noch nicht entlassen.

So habe ich dann auch noch den privaten Sektor des peruanischen Gesundheitssystems kenngelernt. Und man muss (leider) sagen, dass es doch erhebliche Unterschiede gibt, vor allem beim Gebäude. Hier macht sich auch die systematische Fehlfunktion des (öffentlichen) Gesundheitssystems bemerkbar, es gibt zwar qualifiziertes Personal, aber den öffentlichen Einrichtungen fehlt es chronisch an Geld, das aufgrund von Korruption, Vetternwirtschaft und anderen Faktoren nicht da ankommt, wo es ankommen sollte.

(Das gibt es zwar in Deutschland und Europa genauso, wie man zum Beispiel bei den Maskendeals von Jens Spahn, oder der misslungenen Autobahnmaut des ehemaligen Verkehrsministers Andi Scheuer sieht, oder dem Korruptionsskandal im Dezember 2022 um die damalige Vizepräsidentin des europäischen Parlaments, Eva Kaili.

Trotzdem würde ich sagen, funktionieren die öffentlichen Institutionen in Deutschland mehr oder weniger)



In der Privatklinik musste ich dann weitere 4 Tage bleiben, bis nicht nur meine Plaketten, sondern auch meine weißen Blutkörperchen wieder auf normalem Level waren, und ich am Donnerstag endlich entlassen wurde.

Ich war zwar wieder gesund, aber womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte, sind die Nachfolgen von Dengue, die ich nun zu spüren bekam. Ich war zwar wieder zuhause, aber eine Woche Krankenhaus und der Kampf gegen den Erreger haben mich mehr ausgelaugt, als ich mir je vorgestellt hätte und mich mit sehr wenig Kraft zurückgelassen.

Immerhin sind meine Kräfte mit jedem Tag ein bisschen mehr zurückgekehrt, ich habe aber als ich am Montag dachte ich wäre wieder fit doch deutlich gemerkt, dass ich noch nicht so weit bin wie ich dachte.



Wir sind mit dem ganzen Team von CANAT zu einem netten, ländlichen Restaurant gefahren und haben uns einen netten Vormittag gemacht, man konnte eine kleine Bootstour über den Fluss machen, im Kayak umherpaddeln, Volleyball spielen, oder einfach nur in der Hängematte entspannen, was ich einen großen Teil der Zeit gemacht habe.

Trotzdem war ich danach doch sehr müde.



Nach und nach sind dann aber doch alle meine Kräfte zurückgekehrt und ich konnte langsam wieder anfangen zu arbeiten und bin inzwischen mehr eingespannt denn je, sei es beim Vorbereiten von Sessionen in der Ludoteca vorbereiten, oder bei der administrativen Arbeit, wo ich aktuell einige Videos übersetze und mit deutschen und französischen Untertiteln versehe.


Alles in allem habe ich sehr viel Glück gehabt, denn mein Verlauf hätte sehr viel schlimmer sein können, ich hatte zum Beispiel zu keinem Zeitpunkt Schmerzen. In Piura haben die meisten Leute mindestens einmal im Leben Dengue gehabt, viele auch mehrmals. Denn, wenn es aufgrund von El Niño, oder wie im letzten Jahr durch den Zyklon viel regnet, dann kommen auch die ganzen Mücken, und mit ihenen auch Dengue.

Dementsprechend viele Geschichten über fiese Verläufe gibt es auch, die ich dann natürlich alle zu Hören bekam.


Ich möchte an dieser Stelle allen danken, die mich während im Krankenhaus war, begleitet haben. Allen voran Gaby und meiner Mentorin Carolina, die sich immer um mich gekümmert haben, alles für mich organisiert haben und mir in der Posta immer Essen gebracht haben und natürlich Cinthia, die eingesprungen ist, als Carolina nach Lima musste.

Außerdem möchte ich allen danken, die mich besucht haben, mir Essen gebracht haben, oder andere Sachen vorbeigebracht haben.

Ich möchte mich außerdem ganz besonders bei meinen Eltern bedanken, die mich immer von Deutschland aus begleitet haben und sehr viele Sorgen durchstehen mussten.


Und natürlich bei allen, die meinen Blog lesen und sich für meine Arbeit und mein Leben hier interessieren.

Bis zum nächsten mal!

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2 comentários


Convidado:
08 de jul.

Lieber Elias,

ich hoffe, du bist wieder komplett genesen, das wünsche ich dir!

Lieben Dank für deine interessanten Beiträge, die ich gerne lese! Ich wünsche dir noch eine gute Zeit und eine schöne, unvergessliche Reise mit deiner Familie!

Liebe Grüße! Sigrid🌸

Curtir
eliasbechtloff
12 de jul.
Respondendo a

Liebe Sigrid,

vielen Dank für Deinen netten Kommentar, den ich gerade erst gesehen habe.

Ich freue mich, dass Dir mein Blog gefällt.

Ich bin mittlerweile wieder komplett genesen und seit Juni wieder stark bei CANAT involviert und genieße meine letzten Wochen hier und freue mich schon sehr meiner Familie Piura und Umgebung zu zeigen.

Viele Grüße, Elias

Curtir

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